In jedem ERP-Projekt gibt es eine Gruppe, über die selten gesprochen wird, die aber über Erfolg und Misserfolg mitentscheidet: die Power-User. Sie sind die Menschen aus den Fachbereichen, die das System nicht nur bedienen, sondern verstehen — und ihr Wissen an die Kollegen weitergeben.

Warum Power-User so wichtig sind

Externe Berater verlassen das Projekt nach dem Go-Live. Die IT-Abteilung kennt die Technik, aber nicht jeden Fachprozess im Detail. Power-User schließen genau diese Lücke: Sie sprechen die Sprache ihrer Abteilung und die des Systems.

Power-User sind die Übersetzer zwischen dem, was die Software kann, und dem, was die Abteilung braucht.

Die typischen Fehler

  1. Zu spät benannt. Power-User werden oft erst kurz vor dem Go-Live bestimmt. Dann fehlt ihnen die Zeit, das System wirklich zu durchdringen.
  2. Keine echte Freistellung. Wer „nebenbei" Power-User sein soll, bleibt im Tagesgeschäft gefangen und kann die Rolle nicht ausfüllen.
  3. Falsche Auswahl. Es kommt nicht auf den höchsten Rang an, sondern auf Akzeptanz im Team und Neugier auf Prozesse.

Wie man Power-User richtig aufbaut

Aus der Praxis

Die besten Power-User sind selten die lautesten. Es sind die, denen Kollegen ohnehin schon Fragen stellen — die informellen Wissensträger. Wer diese Menschen identifiziert und stärkt, baut Akzeptanz auf, die kein Schulungsplan erzeugen kann.

Der Effekt

Ein gut aufgebautes Power-User-Netz senkt die Zahl der Support-Tickets nach dem Go-Live drastisch, beschleunigt die Eingewöhnung und macht das Unternehmen unabhängiger von externen Beratern. Es ist eine der wirksamsten und zugleich günstigsten Investitionen in den Projekterfolg.