In jedem ERP-Projekt gibt es eine Gruppe, über die selten gesprochen wird, die aber über Erfolg und Misserfolg mitentscheidet: die Power-User. Sie sind die Menschen aus den Fachbereichen, die das System nicht nur bedienen, sondern verstehen — und ihr Wissen an die Kollegen weitergeben.
Warum Power-User so wichtig sind
Externe Berater verlassen das Projekt nach dem Go-Live. Die IT-Abteilung kennt die Technik, aber nicht jeden Fachprozess im Detail. Power-User schließen genau diese Lücke: Sie sprechen die Sprache ihrer Abteilung und die des Systems.
Die typischen Fehler
- Zu spät benannt. Power-User werden oft erst kurz vor dem Go-Live bestimmt. Dann fehlt ihnen die Zeit, das System wirklich zu durchdringen.
- Keine echte Freistellung. Wer „nebenbei" Power-User sein soll, bleibt im Tagesgeschäft gefangen und kann die Rolle nicht ausfüllen.
- Falsche Auswahl. Es kommt nicht auf den höchsten Rang an, sondern auf Akzeptanz im Team und Neugier auf Prozesse.
Wie man Power-User richtig aufbaut
- Früh benennen — idealerweise schon in der Auswahlphase, damit sie das System von Anfang an mitprägen.
- Zeit verbindlich freistellen — nicht als Bitte, sondern als eingeplante Kapazität.
- Pro Fachbereich mindestens einen, damit kein Single Point of Failure entsteht.
- Wertschätzung sichtbar machen — die Rolle ist eine Auszeichnung, keine Zusatzlast.
Die besten Power-User sind selten die lautesten. Es sind die, denen Kollegen ohnehin schon Fragen stellen — die informellen Wissensträger. Wer diese Menschen identifiziert und stärkt, baut Akzeptanz auf, die kein Schulungsplan erzeugen kann.
Der Effekt
Ein gut aufgebautes Power-User-Netz senkt die Zahl der Support-Tickets nach dem Go-Live drastisch, beschleunigt die Eingewöhnung und macht das Unternehmen unabhängiger von externen Beratern. Es ist eine der wirksamsten und zugleich günstigsten Investitionen in den Projekterfolg.